Berichte
 
 
2021

Aus dem aktuellen Newsletter Weihnachten 2021:

 Newsletter Weihnachten 2021

Neue Strukturen bei networkANTHROPIA in Griechenland

Liebe Mitglieder, Freunde und Interessierte,

 

Seit unserem letzten Newsletter im Mai hat sich bei uns einiges stabilisiert und entwickelt. Wir haben klarere Strukturen geschaffen. Unsere Zusammenarbeit mit dem Verein EcoSolidar aus Basel,  deren Verantwortliche uns im Sommer besucht haben, hat uns neue Türen geöffnet und uns sehr motiviert, unsere Arbeit in zwei Schwerpunkte aufzuteilen:

Entwicklungszusammenarbeit:

In unserem sehr gut besuchten Center in Lavrio bieten wir eine Oase an, damit unsere Flüchtenden in freundlicher, sehr persönlicher und geschützter Umgebung unbeschwerte Normalität erleben dürfen und wir dort Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Wir ermöglichen:

Für Frauen

  • zu neuen Kräften und zu neuem Selbstvertrauen zu kommen

  • sich unter Frauen zu treffen und auszutauschen

  • Sprach-Klassen zu besuchen, um Türen für die Zukunft zu öffnen (Buchstabenklasse, Englisch, Deutsch, wir empfangen auch einige Frauen ohne Schulbildung)

  • Gemeinsam zu kochen (Frauen aus den Camps kochen jeden Dienstag), zu essen und andere Kulturen kennenzulernen

  • Kreative ruhige Stunden im Malatelier zu erfahren

  • Sich beraten zu lassen (wir arbeiten eng mit einer griechischen Anwältin zusammen)

  • Eigene Ressourcen einzubringen, um nützliche und schöne Arbeiten im Atelier herzustellen oder im “Women‘s Space“ aktiv zu sein (Kosmetik, Nagelstudio, Massage, unsere kurdischen Frauen leiten die Beautystunden selbständig)

  • Gemeinsame Ausflüge zu erleben

  • Hilfe zur Selbsthilfe für eine Zukunft mit Perspektiven in Europa!

Für Kinder:

  • Stützunterricht in Griechisch und Aufgabenhilfe durch unsere kompetente Lehrkraft Christine Zwicky (Primarschule und Oberstufe) zu erfahren

  • Kreative Momente in Kleingruppen (Primarschüler und Kindergartenkinder) mit unserer Soziologin Irini und Unterstützung durch unser Team aus dem kurdischen Camp zu erleben

  • Teenager Club mit Irini mit diversen Aktivitäten (gemeinsames Kochen, kreative Stunden, Spiel und Spass drinnen und draussen)zu geniessen

  • Offenes Malatelier mit der afghanischen Künstlerin Lida zu besuchen, Maltechniken zu lernen, sie arbeitet jede Woche mit unseren Frauen und Kindern

  • Ein kreativer Kinderhüte-Dienst für Vorschulkinder im Camp in Anspruch zu nehmen ,mit Irini Rena und Shirin, damit die Mütter den Sprachunterricht im Center besuchen können.

  • Gemeinsame kleine Exkursionen zu unternehmen

  • Persönliche Unterstützung für eine Integration in Europa und eine Zukunft mit Hoffnung und Perspektiven zu erfahren im Rahmen aller Angebote in unserem Center

 

Wir bieten 5 Tage pro Woche Aktivitäten in unserem Center an. Die Gruppen sind eingeteilt, der Abholdienst von der Schule und dem Camp ausserhalb von Lavrio gewährleistet. Zudem bieten wir nach der Schule für alle Kinder immer eine einfache Mahlzeit  an, die durch unsere kurdischen Teammitglieder vorbereitet wird. Jede Woche wird der Menüplan vorbesprochen, die Organisation der Covid-Schnelltests für die Schule vorbereitet und unser Wochenplan gefestigt.

Wir dürfen hier in Lavrio auf einen sehr aktiven und bereichernden Sommer zurückblicken! Wir hatten wieder Besuch unserer Erlebnispädagogen und Sozialarbeiter Finn und Bruna aus Irland. Sie haben über 3 Wochen lang unseren Kindern in den Camps tolle Programme angeboten. Viele Kinder kannten sie schon vom Vorjahr und die Begeisterung und Teilnahmefreudigkeit an den Gruppenaktivitäten war enorm! Wir durften sogar kleine Zirkusvorstellungen erleben! In dieser Zeit haben uns auch André Affentranger und Xenia Keller von EcoSolidar besucht und sehr aktiv bei allen Programmen mitgeholfen.     

                                                                                                                     Anschliessend waren Natalie Chiodi (neues Vorstandsmitglied) und ihr Mann Thomas, ein Lehrerehepaar aus der Schweiz, bei uns zu Gast und haben mit grosser Sorgfalt und viel Fantasie mit den Kindern in kleinen Gruppen kreative Programme angeboten. Wir durften auch einige tolle Ausflüge ans Meer und in den Zoo erleben! Unser Team war immer voll mit dabei und wir haben viel gelernt, erlebt und gestaunt! Unsere Kinder und ihre Eltern haben eine kreative, unbeschwerte und sehr glückliche Zeit erlebt! Wir danken allen Gästen von Herzen. Für die Kinder aus den Camps war diese Sommerzeit (trotz enorm grosser Hitze) besonders wertvoll nach den Lockdowns in den Schulen und der langen Quarantänezeit, in der sie in den kleinen Räumen in den Camps eingesperrt waren.

Humanitäre (Not)hilfe

Informationen zur allgemeinen Lage für Geflüchtete in Griechenland

Die Lage in Griechenland hat sich neu wieder verschlechtert, die Situation vieler Geflüchteter ist katastrophal! Wir stehen zum Teil wieder ganz am Anfang. Ich fühle mich oft ins Jahr 2016 zurückversetzt, als wir im Januar in Lesbos unsere Arbeit aufgenommen haben. Griechenland ist nicht in der Lage, die humanitären Grundbedürfnisse vieler Flüchtenden wahrzunehmen und abzudecken. Vom Staat anerkannte Geflüchtete werden sich selbst überlassen, verlieren ihre Wohnungen oder Plätze in den Camps, staatliche finanzielle  Unterstützung und jegliche soziale Hilfe im Alltag. Oft wohnen 4-5 Familien in einer kleinen Wohnung, viele sind obdachlos und wir versuchen, ihnen mit einer Unterkunft zu helfen. Etliche Familien leben in Athen und Umgebung auf der Strasse. Zum Glück sind wir sehr gut vernetzt und können immer wieder Nothilfe anbieten und leisten. In den staatlichen Lagern sieht die Lage auch nicht sehr hoffnungsvoll aus.

Hilfe und Unterstützung durch networkANTHROPIA

Wir bieten regelmässig folgende humanitäre Nothilfe und Unterstützung für einen einigermassen normalen Alltag an:

  • Foodbags für die Grundversorgung für einzelne Familien

  • Warme Kleider und Schuhe für  Familien in Not (wir stehen in engem Kontakt mit dem Attika Warehouse und dürfen jederzeit vorbeigehen und uns gezielt eindecken)

  • Regelmässige Fahrten zum Camp Myrsini in Andravida auf dem Peleponnes.  Versorgung mit warmen Kleidern und Schuhen (nach Listen), Pampers und Milch für die vielen Kinder.

  • Medizinische Hilfe durch unseren Arzt Daniel  und seiner Frau (Kinderärztin) im Camp Myrsini, sie haben keinen Arzt vor Ort. Dringend benötigte Medikamente werden nach Bedarf auch geliefert.

  • Unterstützung zur Grundversorgung der Camps in Lavrio mit Gemüse und Früchten von lokalen Bauern, Brot, Eier und Milch…

  • Medizinische Versorgung der Camps in Lavrio durch unseren Arzt Daniel, (regelmässige Sprechstunden) Medikamente erhalten wir oft durch Sammlungen aus der Schweiz (Danke!)

  • Unterstützung zur Grundversorgung unserer kurdischen Familien im Camp Ritsona mit Gemüse, Eier, Brot…medizinische Versorgung mit Medikamenten abgesprochen mit unserer kurdischen Krankenschwester Gülistan in der Schweiz oder mit Daniel.

  • Unterstützung und Begleitung von einzelnen jesidischen Familien, diese Aktionen werden durch unser jesidisches Mitglied, Sam Waleed, kompetent koordiniert und organisiert.

  • Punktuelle Unterstützung von der Organisation „Wave Thessaloniki“ Wir arbeiten schon einige Jahre mit diesem Team zusammen und möchten dies auch in Zukunft können. Wir sind persönlich sehr beeindruckt von ihrer Arbeit. Sie ermöglichen jeden Tag eine warme Mahlzeit für Obdachlose und unterstützen sie mit warmen Kleidern, Schuhen und medizinischer Nothilfe in Zusammenarbeit mit Medical International Volunteers.

  • Unterstützung einzelner Familien in grosser Not im Camp Nea Kavala im Norden von Thessaloniki, koordiniert durch unser tolles Netzwerk von Mitarbeitern anderer Organisationen, mit denen wir auch freundschaftlich verbunden sind.

Aktionen und Hilfe durch PartnerInnen und UnterstützerInnen

Wir bedanken uns bei der Pflegefachfrau Susanne und ihrem Mann Marc Krebser! Sie haben uns im September besucht und grossartige Unterstützung im Aufbau der Kliniken in unseren Camps geboten! Susanne hat unseren Arzt Daniel unterstützt und Marc hat gemeinsam mit tatkräftigen Männern aus den Camps viel handwerkliche Veränderung geschafft! Einfach grossartig!

Zudem ist networkANTHROPIA nun in Besitz eines Minibusses! Er wurde uns grosszügig von einer Schule in St.Gallen gespendet und steht voll im Einsatz für so viele nützliche Fahrten! Wir haben ihn im Oktober nach Griechenland gefahren. Wir danken dem Team der Schule  von Herzen!

Unser Kernteam in Lavrio setzt sich aktuell aus drei Kurdinnen, zwei Griechinnen, einer Afghanin, einer Schweizerin-Griechin und mir zusammen. Wir dürfen zudem auf einige freie MitarbeiterInnen als ÜbersetzterInnen zählen.

Wir sind wirklich sehr gut vernetzt in Griechenland und haben uns einen Namen geschaffen, um unbürokratisch und sofort sehr effizient und professionell helfen zu können. Wir haben sehr kompetente Übersetzer in unserem erweiterten Team (Kurdisch, Arabisch, Farsi und Pastou), Menschen, die wir seit Jahren kennen, begleiten und auch unterstützen. Unsere Farsi-Übersetzerin Bahar zum Beispiel! Sie ist jederzeit telefonisch für uns erreichbar, um sehr kompetent zu übersetzen und zu unterstützen! Wir ermöglichen ihr seit längerer Zeit Englisch- Unterricht, ihr Englisch ist inzwischen ausgezeichnet, ihre Sozialkompetenz von Anfang an einfach wunderbar!

Wir arbeiten sehr freundschaftlich und konstruktiv mit einigen Organisationen in den staatlichen Camps zusammen. Solidarity Now, IOM (International Organisatin of Migration und Eody (National Public Health Organisation) schätzen uns und fragen uns regelmässig für gezielte Hilfe an. Ein Beispiel ist für mich besonders erwähnenswert, die Frage ist nun, ob dies unter humanitäre Hilfe oder Entwicklungszusammenarbeit geht?...

Wir sind hier in einem europäischen Land mit dem Grundrecht (und Pflicht) für Kinder, zur Schule gehen zu können. Dies ist aber leider aus verschiedenen Gründen nicht gewährleistet. Es fehlt an Aufnahmekapazitäten in den Schulen, an Transportmöglichkeiten (die Camps sind meist sehr abgelegen) und daran, dass die Kinder, die zur Schule gehen könnten, keine Schulsäcke und kein Schulmaterial besitzen. Wir wurden angefragt, ob wir für die Kinder im abgelegenen Camp Myrsini auf dem Peleponnes für 65 Kinder Schulrucksäcke besorgen könnten. Wir fanden dies absolut nötig und wichtig und haben dies sehr zeitnah für alle Kinder ermöglicht, grosszügige Spenden machen dies möglich! Die Kinder werden im Camp sehr kompetent und liebevoll von Sozialarbeiterinnen und Lehrerinnen begleitet, nur fehlt es einfach an allem im Bereich von Material! Wir haben einen sehr freundlichen Dankesbrief der Hauptverantwortlichen der Organisation Solidarity Now erhalten, mit der scheuen Frage, ob wir wohl auch für andere Camps eine Möglichkeit finden würden, die Kinder mit Schultaschen zu versorgen? Eine grosse Herausforderung, die wir erfolgreich annehmen konnten!

 

Unser neues Teammitglied aus Deutschland, Ute Wolfsangel, macht es möglich! Durch einen Grossaufruf hat sie Hunderte von Schultaschen gesammelt, die begeistert von dutzenden Familien und Freunden zusammengetragen wurden und sogar der Transport wurde von der Firma K2 Systems GmbH grosszügig übernommen! Wir finden, dass alle Kinder die Möglichkeit haben sollten, zur Schule zu gehen! Es ist ein Grundrecht des Kindes! Viele Flüchtlingskinder sind seit Jahren auf der Flucht, ohne Struktur, ohne ein richtiges Zuhause und ohne Bildung. Der Zugang zur Schulbildung darf nicht an einer Schultasche scheitern! Durch diese grossartige Aktion werden bald 700 Kinder zur Schule gehen können. Wir unterstützen natürlich hier vor Ort immer wieder weitere Anfragen für Schultaschen für einzelne Kinder. Mit diesen Schultaschen-Aktionen wird oft auch wieder einmal das Bewusstsein der Menschen aufgeweckt. Was für uns alle selbstverständlich ist, ist für andere  einfach nicht möglich! Schultaschen liegen oft wenig gebraucht auf dem Dachboden. Hier ermöglichen sie den Zugang zur Bildung für Flüchtlingskinder in Griechenland! Danke an alle!

NetworkANTHROPIA ist aktiv und immer an der Front. Unser Netzwerk ist gross geworden, unsere Organisation klein und überschaubar geblieben. Unsere Struktur hat klare Formen angenommen und zeichnet sich einerseits durch hartnäckige Ausdauer und Beständigkeit im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit aus, andererseits durch die Möglichkeit und Fähigkeit, sofort und unbürokratisch dort zu helfen, wo die Not am grössten ist.

Damit dies weiterhin möglich sein wird, sind wir auf Ihre Unterstützung und Ihre Spenden angewiesen. Wir garantieren, dass jeder Franken/Euro sinnvoll und sorgfältig eingesetzt wird!

Wir danken Euch allen für Euer Mitdenken, Eure Mitarbeit und Eure Hilfe! Ohne Euch alle könnten wir das nicht schaffen!

Renata Herger, Präsidentin networkANTHROPIA, ein Netzwerk der gelebten Menschlichkeit

 

 

NetworkANTHROPIA, 8708 Männedorf (steuerbefreit)

sFr       Postfinance, Kt. 61-974295-5, IBAN CH64 0900 0000 6197 4295 5

Euro    Postfinance, Kt. 91-414252-2, IBAN CH42 0900 0000 9141 4252 2

 

DANKE!

 

Frohe Festtage und ein gesundes 2021 wünscht networkANTHROPIA

 

 

 

 

networkANTHROPIA 8708 Männedorf (steuerbefreit)

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