Berichte
2021

Newsletter Mai 2021

Nach dem Lockdown zurück zu etwas Normalität...

Liebe Mitglieder, Freunde und Interessierte,

 

Langsam öffnet sich Griechenland, nach einem sehr langen und harten Lockdown. Wir haben viel erlebt in dieser anspruchsvollen Zeit, viel gelernt und auch viel bewegen können. Leider sind auch unsere Lager in Lavrio von Covid-Fällen nicht verschont geblieben. Anfang März wurden einige Menschen in den Lagern der Kurden und im Afghan Haus in Lavrio positiv getestet, und wir haben die staatliche Ärzteorganisation Griechenlands eingeschaltet, um professionell unterstützt werden zu können. Für einige Wochen wurden die Lager komplett geschlossen und neben dem Container-Lager ausserhalb Lavrios Zelte aufgebaut, damit die Erkrankten isoliert werden konnten. Die Menschen durften ihre Räumlichkeiten vorerst nicht mehr verlassen.

 

Jeden Tag wurde das Lager von einem Team geputzt und desinfiziert. Ein anderes kleines Team besorgte nötige Einkäufe.  Gülistan, unsere Krankenschwester, arbeitete fast Tag und Nacht im Schutzanzug. Sie versorgte die Kranken (nicht nur Corona -Patienten), und testete laufend die Menschen im Lager. Nach einigen Wochen der totalen Isolation hat die oben erwähnte Ärzteorganisation alle Menschen nochmals getestet (alle negativ), und wir durften langsam zu etwas Normalität zurückkehren.

Besonders die Kinder, welche ja seit November nicht mehr in die Schule gehen konnten, haben eine sehr schwere Zeit hinter sich, sie waren in ihren Räumen eingesperrt und konnten keinerlei Abwechslung erleben. Wie schön war es für uns alle, als wir in unserem Center in kleinen Gruppen ein fröhliches Eierfärben erleben durften, zum griechischen Osterfest!

Während der ganzen harten Zeit im griechischen Lockdown haben wir die Menschen wöchentlich mit Nahrungsmittel versorgt, wie immer eingekauft beim lokalen Bauern und im Fachhandel in Lavrio. Bis zum Lager-Lockdown hatten wir unseren Sprachunterricht für Frauen und Kinder durchgeführt, unser Atelier mit den kreativen Arbeiten weitergeführt und mit den Kindern regelmässig Aktivitäten in Gruppen angeboten.

Dank einer sehr grosszügigen Spende aus der Schweiz konnten wir im Container Lager ausserhalb von Lavrio eine kleine Klinik aufbauen und eröffnen. Wir bestellten einen zusätzlichen Container und konnten ihn als Krankenstation einrichten. Ärzte, die uns besuchen, können so gemeinsam mit Gülistan, unserer Krankenschwester, die Menschen untersuchen und behandeln. Dies hat uns in diesem Lager so sehr gefehlt, wir sind sehr dankbar!

Unsere Einzelbegleitungen in Athen, Lesbos und Ioannina konnten wir ebenfalls mit grossem Einsatz unseres gut vernetzten Teams weiterführen. Viele Familien, wären ohne unsere direkte Hilfe in Form von Foodbags, Medikamenten und warmen Kleidern verloren gewesen. Auch Wave Thessaloniki, die Organisation, welche die Obdachlosen in Thessaloniki täglich mit einer warmen Mahlzeit versorgt, haben wir weiter unterstützt wir stehen in regem Austausch.

 

Unsere jesidischen Familien in Lesbos konnten wir ebenfalls weiter unterstützen. Immer wieder reisten Freunde von uns auf die Insel und konnten vor Ort die Spenden direkt einsetzten! Die Situation in Lesbos ist nach wie vor sehr kritisch, und es ist keine Besserung in Sicht. Einigen Familien und Einzelpersonen helfen wir in juristischen Fragen, unsere Anwältin leistet grossartige Arbeit und konnte schon viel Positives bewegen!

Seit zwei Wochen können die Kinder in Griechenland wieder zur Schule gehen, networkANTHROPIA darf sein Center in Lavrio für kleine Gruppen wieder öffnen. Wir haben neue Unterrichtsgruppen gebildet und einen sehr ansprechenden Wochenplan mit unseren Aktivitäten ausgearbeitet. Neben den Sprachkursen in Griechisch, Englisch und Deutsch bieten wir kreative Workshops für Frauen und Kinder an, gemeinsames Kochen, Women’s space, und natürlich nach wie vor unser Atelier für kreatives, gezieltes Erarbeiten unserer Produkte, die zum Verkauf angeboten werden. Gruppenaktivitäten, mit den Kindern in den Camps, bereichern zudem unser Programm. Unser kleines, starkes Team (Griechen, Kurden, Schweizer) wird in der kommenden Zeit wieder von Volontären aus Irland (Finn und Bruna haben schon im letzten Jahr wunderbare Arbeit geleistet) und aus der Schweiz ergänzt.

Zusätzlich ist jetzt auch unser Sunflower Shop für die Flüchtenden der Lager in Lavrio geöffnet. Wir sortieren in einem ehemaligen kleinen Supermarkt-Lokal Kleiderspenden, und stellen sie schön und ansprechend aus. Ein Team von 5 Frauen (aus dem Camp) ist für diesen Betrieb zuständig. Zweimal die Woche ist der Shop geöffnet. Die Besuche erfolgen durch Anmeldung, maximal 5 Personen dürfen kommen. Es wird auch Kaffee angeboten und die Möglichkeit, die Kleider anzuprobieren, so ganz wie in einer richtigen Boutique…Normalität und gute, unbeschwerte Momente sind eine Wohltat! Menschen, die neu im Lager eintreffen, dürfen ausserhalb der Öffnungszeiten kommen und sich sofort mit dem Nötigsten eindecken.

Kleiderspenden bekommen so ein neues Leben. Wir waschen, wenn nötig, wir flicken oder ändern (weitere sinnvolle Beschäftigungen für die Frauen) und es entsteht eine völlig neue und sorgfältigere Haltung gegenüber dem Upcycling von Kleidern ganz allgemein!

Wir alle haben eine sehr anspruchsvolle und intensive Zeit hinter uns. Die Flüchtenden erlebten einen Lockdown, eine Isolation im Lager mit vielen Entbehrungen. Wie verletzbar sie waren, haben wir so sehr gespürt! Die Menschen in Lesbos, die Familien auf der Strasse in Athen, die vielen Frauen und Kinder in Ioannina im Lager Dolianon, die alle dringend auf unserer Unterstützung angewiesen sind, konnten wir mit viel Fantasie und kreativem Handeln versorgen und begleiten. Die Zusammenarbeit mit den Sozialarbeitern in Ioannina darf ich als grosse Bereicherung bezeichnen, wir sind sehr glücklich, dass wir unser Netzwerk immer wieder erweitern können, um die Menschen erreichen zu können, welche die Hilfe am nötigsten haben!

In Lavrio sind in den vergangenen Tagen sehr viele neue Flüchtende eingetroffen, viele kurdische Frauen aus der Türkei. Sie mussten ihr Hab und Gut zurücklassen, sie mussten aufbrechen und flüchten, sie können in ihrer Heimat nicht mehr leben. Sie werden verfolgt, haben oft schon Gefängnisstrafen hinter sich und müssen sich eine neue Zukunft aufbauen. Wir versorgen diese Menschen sofort mit dem Nötigsten, bieten ihnen Sprachunterricht und unbeschwerte Stunden an und helfen ihnen, sich zu orientieren. In unseren Camps in Lavrio haben 80% der Flüchtenden keinerlei finanzielle Mittel. Die Grundversorgung mit dem Nötigsten von uns in Form von Lebensmitteln, Medikamenten und Kleidern ist absolut nötig!

Dank Eurer Spenden ist unsere Arbeit nach wie vor möglich! Wir können immer wieder auch dort Soforthilfe leisten, wo die Not am grössten ist. Wir sind klein, effizient und zudem sehr gut vernetzt.  Auch in Zukunft, sind wir sehr auf Spenden angewiesen. Wir hoffen, bald wieder mehr Normalität im Alltag erleben zu dürfen, die Corona Krise hat alle getroffen. Am meisten aber diejenigen, die sowieso nichts mehr zu verlieren hatten! Wir sind optimistisch und motiviert und schon über 6 Jahre hartnäckig am Puls des Geschehens! NetworkANTHROPIA möchte noch lange dort arbeiten können, wo die Hilfe gerade am meisten gebraucht wird.

 

Mit Eurer Unterstützung ist dies möglich!

DANKE!

Wir wünschen allen eine gute, starke und gesunde Zeit!

 

 

networkANTHROPIA 8708 Männedorf (steuerbefreit)

sFr       Postfinance, Kt. 61-974295-5, IBAN CH64 0900 0000 6197 4295 5

Euro    Postfinance, Kt. 91-414252-2, IBAN CH42 0900 0000 9141 4252 2

 
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